Ein Tag im Leben eines Menschen mit Typ 1 Diabetes

Guten Tag euch allen. Als ich neulich auf Instagram war, sah ich diese wirklich interessante Kampagne, die von @diabetesia.se und @pioneersyoungsverige erstellt wurde, die #sTr1peD-Kampagne. Sie wurde für den Diabetes Awareness Month, also den Monat, der Diabetes mehr ins Bewusstsein rücken soll, ins Leben gerufen. Die Idee dieser Herausforderung, oder „Challenge“, ist es, der Welt zu zeigen, wie es ist, mit Typ 1 Diabetes zu leben, indem man jede einzelne Entscheidung, die man aufgrund seines Diabetes trifft und jeder einzelne Gedanke, den man über seinen Diabetes hat, einen Tag lang dokumentiert. Dies tut man, indem man einen Strich pro Gedanken bzw. Entscheidung zu Diabetes mit einem Stift auf den Handrücken malt. Das hielt ich für eine ziemlich geniale Idee, weshalb ich mich entschloss, bei dieser Challenge mitzumachen.

Im Laufe meines Tages hatte ich also 29 Gedankengänge zu Diabetes. Ich werde sie alle nachfolgend dokumentieren, damit Ihr genau sehen könnt, was mir zu Diabetes so den ganzen Tag durch den Kopf ging. Bei den meisten handelte es sich jedoch um Maßnahmen, die ich durchführen musste z. B. um Blutzuckermessungen oder mich mit dem Bolus befassen. Einige Gedanken betrafen Dinge, die ich tun musste oder fühlte. UND einige waren Sorgen, die ich im Verlauf des Tages hatte oder mir war nach Jammern zumute. Ich hätte gut das DOPPELTE an aufgemalten Strichen verwenden können, aber wie Ihr sehen werdet, habe ich bestimmte Dinge bei einem Strich belassen, wo ich sie in 2 oder 3 hätte unterteilen können. Ich dachte das wäre besser, um diesen Blog kurz und bündig zu schreiben.

DONNERSTAG, 28. NOVEMBER 2019

Kurz als Hintergrund: das war ein ganz normaler freier Tag für mich. Ich bin aktuell Studentin, aber ich hatte an diesem Tag keine Vorlesungen oder ähnliches. Also verbrachte ich den Tag damit, ein bisschen was für die Uni zu erledigen, zu entspannen, Sport zu treiben und Netflix zu schauen.

Strich 1 - 6:30 Uhr. Ich weiß, was Ihr denkt: „Verdammt, dieses Mädchen wacht an ihrem freien Tag aber früh auf.“...NEIN NEIN NEIN.

Ich mag meinen Schlaf wirklich sehr. Leider wachte ich auf, weil ich pinkeln musste und da dachte ich, ich könnte gleich den Blutzucker messen, wo ich schon mal dabei bin. Ich befand mich ein klein wenig im erhöhten Bereich, also nahm ich eine Korrektur vor und ging wieder ins Bett.

Strich 2 - 9:00 Uhr. Da wachte ich wirklich auf. Ich verrate euch jetzt ein Geheimnis:  ich schlafe normalerweise viel ZU VIEL, also versuche ich, zu einer vernünftigen Zeit aufzustehen. Ich mag es nicht, aber ich fühle mich damit besser. Dann gab es eine weitere Blutzucker Messung. Die Werte waren gut.

Strich 3- Die Pumpe begann mich anzupiepen, um mir mitzuteilen, dass ich nur noch wenige Insulineinheiten übrig hatte. Das bedeutet, dass ich meine Pumpe heute noch austauschen müsste.

Strich 4- Hier jammerte ich innerlich etwas über die Tatsache, dass ich meine Pumpe später wechseln müsste. ICH BIN FAUL.

Strich 5 - 9:30 Uhr. Zeit fürs Frühstück. Dies ist einer der Zeitpunkte, bei denen ich viel mehr Striche hätte zählen können, denn ich musste meinen Blutzucker messen, die Lebensmitteletiketten überprüfen, Kohlenhydrate zählen und mich um den Bolus kümmern, aber ich habe alles in einem zusammengefasst.

Strich 6 - 11:30 Uhr. Ich hatte jetzt dreimal seit meinem Frühstück gepinkelt, deshalb dachte ich, dass mein Blutzucker vielleicht hoch ist. Also noch eine Messung für mich. Der Wert war nicht wirklich hoch; offensichtlich pinkle ich einfach viel.

Strich 7 - 12:00 Uhr. Ich wollte ins Fitnessstudio gehen, also messe ich, bevor ich mich dafür fertig machte, denn ich wollte keine zu hohen oder niedrigen Werte, wenn ich mich auf den Weg zum Fitnessstudio mache.

Strich 8- Meine Sachen fürs Fitnessstudio zusammenpacken und alles, was ich brauche zusammensuchen. Messgerät, Hypo-Snack, PDM, mehr Hypo-Snacks bla bla.

Strich 9- Zeit zum Fahren. Wenn man Auto fährt, muss der Glukosewert im Zielbereich sein, damit man fahren kann, also messe ich immer vorher, ob alles okay ist.

Strich 10 - 12:30 Uhr. Im Fitnessstudio erneut gemessen und entschieden, ob ich eine temporäre Basalrate brauche oder nicht.

Strich 11 - 13:00 Uhr. Noch einmal Blutzucker überprüft, um sicherzustellen, dass der Wert während des Kardiotrainings nicht abfallen würde.

Strich 12 - 13:30 Uhr. Fertig mit dem Fitnessstudio, also ERNEUT MESSEN.

Strich 13- Vor der Fahrt nach Hause messe ich nochmal meinen Blutzucker, obwohl ich es nur ein paar Minuten zuvor getan hatte, aber ich wollte sicher gehen, dass alles passt.

Strich 14 - 13:55 Uhr. Ratet mal... erneut gemessen. Entschieden ob ich eine temporäre Basalrate brauche, um nicht ein wenig später einen zu niedrigen Wert zu haben.

Strich 15 - 14:15 Uhr. Mittagessen. Wieder Blutzucker messen, Kohlenhydrate zählen, um Bolus kümmern.

Strich 16 - 16 Uhr. Ich hatte tatsächlich zwei Stunden keine Gedanken (vielleicht habe ich ein bisschen geschlafen, vielleicht auch nicht). Aber ich naschte ein bisschen, also erneut gemessen und um den Bolus gekümmert.

Strich 17 - 17:30 Uhr. UNTERZUCKERT. Meine Unterzuckerung korrigiert.

Strich 18- Beschlossen, meine temporäre Basalrate zu ändern, um einer weiteren Unterzuckerung vorzubeugen.

Strich 19 - 18 Uhr. Nur eine weitere Blutzuckermessung, um zu prüfen, ob es mir nach meiner Unterzuckerung gut ging.

Strich 20 - 18:30 Uhr. Teezeit. Messen, Kohlenhydrate zählen, um Bolus kümmern.

Strich 21 - 19:30 Uhr. Ich habe für meinen Tee eine grobe Schätzung vorgenommen, also habe ich gemessen, um zu sehen, was der Blutzucker so macht.

Strich 22 - 20:20 Uhr. Ich wusste, dass ich einen Pod-Wechsel vornehmen musste, also jammerte ich deswegen.

Strich 23 - 20:30 Uhr. Ich nahm den Pod-Wechsel tatsächlich vor.

Strich 24 - 20:45 Uhr. Eine weitere Blutzuckermessung durchgeführt.

Strich 25 - 21:15 Uhr. Blutzucker war im niedrigen Bereich, nicht ganz bei Unterzuckerung, also änderte ich meine temporäre Basalrate.

Strich 26 - 21:30 Uhr. Snack vorm Zubettgehen. Ich stehe nun mal auf Snacks. Kein Bolus, weil ich keine weitere Unterzuckerung wollte.

Strich 27 - 22:00 Uhr. Blutzucker erneut gemessen, denke immer noch daran, dass ich keine Unterzuckerung will.

Strich 28 - 22:30 Uhr. Fast Zeit, schlafen zu gehen, also meinen Blutzucker ein letztes Mal überprüft.

Strich 29 - Der letzte Diabetesgedanke für Donnerstag, den 28. November - mache mir Sorgen, über Nacht zu unterzuckern.

Es war so verrückt, an der #sTr1peD-Kampagne teilzunehmen, 29 Mal kümmerte ich mich um meinen Diabetes oder dachte daran. Manchmal merkt man einfach nicht, wie viel Zeit man dem eigenen Typ 1 Diabetes einräumt!! Schaut euch die Kampagne auf Instagram an und macht mit, um das Bewusstsein für T1D zu vergrößern! Cally x

 

 


Veröffentlicht am 29. Dezember 2019.


Von Cally Roberts

Ich bin 22 Jahre alt und habe seit 12 Jahren Typ 1 Diabetes. Ich bin derzeit an einer Akademie, wo ich zur Kinderpflegekraft ausgebildet werde, und ich hoffe, dass ich eines Tages eine Diabetes-Fachpflegekraft werden kann, die anderen wie mir hilft und sie unterstützt.

Mehr über Cally lesen

  typeone_cal

Insulet hat Cally Roberts ein Honorar für die Erstellung dieses Contents bezahlt.


HAFTUNGSAUSSCHLUSS ZUR GESUNDHEIT

Dieser Blog enthält allgemeine Informationen und Diskussionen über die Gesundheit und damit verbundene Themen. Die in diesem Blog oder in verlinkten Materialien bereitgestellten Informationen und andere Inhalte sind nicht als medizinische Beratung gedacht und dürfen nicht als Ersatz für professionelle medizinische Fachkenntnisse oder Behandlungen verstanden werden. Wenn Sie oder eine andere Person ein medizinisches Anliegen haben, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen oder andere professionelle medizinische Behandlungen in Anspruch nehmen. Missachten Sie niemals professionelle medizinische Ratschläge oder zögern Sie, diese einzuholen, aufgrund von etwas, das Sie in diesem Blog oder in verlinkten Materialien gelesen haben. Wenn Sie meinen, dass bei Ihnen ein medizinischer Notfall eingetreten ist, wenden Sie sich unverzüglich an Ihren Arzt oder Notfalldienste. Die in diesem Blog und auf dieser Webseite ausgedrückten Meinungen und Ansichten stehen in keinerlei Verbindung zu denen eines Akademikers, eines Krankenhauses, einer Gesundheitspraxis oder einer anderen Institution.